MARIENSCHULE XANTEN
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Begegnung mit der Holocaust-Überlebenden Eva Weyl an der Marienschule

Ein besonderer und zutiefst bewegender Vormittag prägte den Schulalltag an der Marienschule: Die Holocaust-Überlebende Eva Weyl war erneut zu Gast und berichtete eindrucksvoll von ihrer Kindheit im nationalsozialistischen Durchgangslager Westerbork. An der Begegnung nahmen die Schülerinnen der Jahrgangsstufe 10, zahlreiche Lehrerinnen und Lehrer sowie Gäste des benachbarten Berufskollegs Placidahaus teil. Auch der Bürgermeister der Stadt Xanten, Rafael Zur, war anwesend und zeigte sich tief beeindruckt von der persönlichen Begegnung mit Eva Weyl, die er an diesem Tag erstmals kennenlernen durfte.

Zu Beginn ihres Vortrags, nach einer freundlichen Begrüßung durch die beiden Schülerinnen Liv Meinert und Elisa Mosters, stellte Eva Weyl – heute 90 Jahre alt und seit über zehn Jahren regelmäßig als Zeitzeugin an der Marienschule – einen zentralen Begriff in den Mittelpunkt: Freiheit.
„Wir wissen erst, wie wichtig sie ist, wenn sie uns genommen wird. Denkt nach, wie kostbar Freiheit ist!“, mahnte sie die Jugendlichen eindringlich.

Eva Weyl schilderte ihre Erlebnisse als Kind im Lager Westerbork, in dem insgesamt rund 107.000 Menschen interniert waren. Nur etwa 5.000 von ihnen überlebten. Sie selbst habe, so sagte sie, „Glück gehabt“. Dieses „Glück“ war u.a. eng mit der Rolle ihres Vaters und der Fürsorge ihrer Mutter verbunden, Ihr Vater wurde so z.B. nach der Neuorganisation des Lagers durch den Kommandanten Konrad Gemeker befördert und dadurch seine Familie 18 Monate lang vor der Deportation nach Auschwitz bewahrt. Gemeker, der durch und durch die nationalsozialistische Ideologie lebte, habe eine trügerische Scheinwelt der Ordnung und Ruhe geschaffen, während die Deportationen unaufhörlich weitergingen.

Besonders eindringlich warnte Eva Weyl vor Gleichgültigkeit und Wegsehen:

„Die Shoa begann nicht mit Auschwitz – sie begann mit Wegschauen. Schaut nicht weg!“

Mit Blick auf die Wannseekonferenz von 1942 machte sie deutlich, dass es in der Geschichte zuvor nichts Vergleichbares gegeben habe: den bürokratisch geplanten Beschluss zur industriellen Vernichtung von Menschen.

Ihre Botschaften richteten sich direkt an die Schülerinnen und weiteren Zuhörerinnen und Zuhörer.
„Lasst eure Emotionen sprechen! Bleibt Menschen mit Gefühl! Ihr spürt, was richtig ist.“
Und weiter: „Niemand von euch trägt Schuld an dem, was geschehen ist – aber ihr tragt Verantwortung. Haltet die Erinnerung wach. Ab heute seid ihr meine Z(w)eitzeugen!“

Eine weitere besondere Bereicherung dieser Begegnung war die Anwesenheit von Prof. Dr. Elana Passmann, Geschichtsprofessorin aus Indiana.
Erstmals lernten die Schülerinnen und alle Anwesenden sie kennen. Sie berichtete, dass auch ihr Urgroßvater Levy Passmann im Lager Westerbork interniert war – demselben Lager, in dem Eva Weyl als Kind gefangen war. An der Marienschule begegneten sich die beiden Frauen erstmals persönlich – verbunden durch unterschiedliche Lebenswege, aber durch ein gemeinsames Kapitel Geschichte.
Prof. Dr. Passmann zeigte sich tief bewegt davon, wie lebendig und unmittelbar Geschichte an der Marienschule durch Zeitzeugen vermittelt wird und leistete selbst einen wertvollen Beitrag dazu.

Sie begibt sich derzeit auf die Spuren ihrer jüdischen Familiengeschichte in Xanten und war so auch erstmals zu Gast an der Marienschule. Ihre Familie blickte auf eine über 600-jährige Geschichte in Deutschland zurück. Ihre Urgroßeltern und weitere Angehörige wurden von den Nationalsozialisten deportiert und in Auschwitz ermordet. Ihr Urgroßvater Levy Passmann lebte einst in der Scharnstraße, nahe dem Ort der ehemaligen Synagoge von Xanten, die in der Reichspogromnacht zerstört wurde. Stolpersteine erinnern noch heute an die Familie Passmann.
Bereits vor einigen Jahren hatten Schülerinnen der Marienschule im Rahmen eines Kunst-Geschichtsprojekts neben weiteren auch eine Erinnerungsstele für Levy Passmann gestaltet. Diese ist bis heute im Eingangsbereich der Schule in einer Vitrine ausgestellt – gemeinsam mit den weiteren Stelen, die an jüdische Bürgerinnen und Bürger Xantens erinnern und mahnen.
Den heutigen Besuch in der Marienschule nutze Elana Passmann auch dazu, in die direkte Begegnung mit der AG “Auschwitz mit eigenen Augen sehen”.

Ein sehr persönliches Symbol der Erinnerung ist auch der Diamantring von Eva Weyl: ein Geschenk ihrer Mutter, gefertigt aus einem Diamanten, der vor den Nationalsozialisten gerettet werden konnte. Dieser Ring wird später in der Gedenkstätte Westerbork ausgestellt werden – als stilles, aber kraftvolles Zeugnis der Erinnerung.

Im Mai 1944, kurz vor der Landung der Alliierten in der Normandie, leerte sich das Lager Westerbork zunehmend. In einer Nacht, in der alliierte Flugzeuge einen Angriff auf das Lager planten, geschah das Unfassbare: Die Deportationsliste mit dem Namen der Familie Weyl verschwand – erneut ein Moment des „Glücks“. Am 12. April 1945 wurde das Lager schließlich von kanadischen Truppen befreit.

Nach dem Krieg lebte Eva Weyl weiter: Sie ging zur Schule, studierte, heiratete und ergriff einen Beruf. Heute widmet sie ihre Kraft der Erinnerungsarbeit und der Begegnung mit jungen Menschen.

Zum Abschluss ihres Vortrags fasste sie ihre zentrale Botschaft zusammen:

„Von außen mögen wir unterschiedlich sein – im Inneren schlägt dasselbe Herz.“

Diese Begegnung wird den Schülerinnen und allen Anwesenden nachhaltig in Erinnerung bleiben – als eindringliche Mahnung, als Auftrag und als Zeichen dafür, wie wichtig lebendige Erinnerung für unsere Gegenwart und Zukunft ist.

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